02.07.2017  10:33

Erstaunlich, wie die Assoziationsketten meines Kopfes Stufe für Stufe anfügen, bis ich in weit zurückliegende Erinnerungen hinabgestiegen bin (erstaunlich und zugleich banal) …

 

04.07.2017  17:04

Die Frau, die im Park sitzt, den Rücken den Wegen zugewandt, am Rand des Großschachfelds, und von der ich glaube, dass sie sich gerade völlig unbeobachtet fühlt.

 

04.07.2017  17:59

Ich würde, aber lieber wie Du es macht …

 

06.07.2017  21:08

Manches bleibt so tief verankert: Wenn ich Fahrrad fahre, stelle ich mir irgendwelche Wettbewerbe vor, ein Radrennen, bei dem ich mit Geschick und Willenskraft als Erster durchs Ziel komme, und damit was auch immer gewonnen, was auch immer bewiesen habe; wenn ich mich vor den Kopf gestoßen fühle, nicht klarkomme mit der Situation, in der ich mich befinde, flüchte ich, entziehe ich mich immer weiter, und das allzu häufig nur, weil ich letztlich gesucht werden möchte (à la: Fällt es auf, dass ich weg bin?); das innere Anlegen von Listen aus Vorwürfen, das Zurechtbiegen der Geschehnisse, eine Geschichte, die ich forme und in der ich selbst allzu gut wegkomme; das Die-Musik-immer-lauter-drehen-wollen dabei, als ob mich anschreien zu lassen, ein Äquivalent für das eigene Schreien wäre, das innerliche, das loszulassen ich mich am Ende aber eben nicht traue; und die Appetitlosigkeit, die mich verschiedene Angebote ausschlagen lässt, bis ich mich doch dazu entscheiden kann und mich an Frittiertem überfresse (und währenddessen die Kapuze tief ins Gesicht gezogen, mich in verschiedene Richtungen abschottend). – Ich will kein Einzelkämpfer mehr sein, verdammt!

 

06.07.2017  21:21

»Danke, dass ihr anruft, und sorry, dass ich nicht immer rangeh!«

 

06.07.2017  21:51

Ich liege da und lese wieder und wieder ›Burger‹, was sich vor mir, eine Armlänge entfernt, aus der Raufasertapete abhebt …

 

10.07.2017  16:06

(Was für ein wunderbares Mantra du für heute hast: »Niemand will mir etwas Böses!«)

 

10.07.2017  19:17

Während ich Ali As’ Verfolgt von Ferraris höre, muss ich mit großer Zärtlichkeit an P. denken (an die Posse, die von ihm kommt, die er ist).

 

12.07.2017  23:28

Unsere kleine Welt ist mir die liebste (warum glaubte ich – wieder –, eine scheinbar einmalige Chance nicht vorbeiziehen lassen zu können?; die Straße überquerend nahm ich mir vor, zukünftig wieder eher zu gehen, trotz des Gejammers, an der Haltestelle wartend wünschte ich mir, mich zu dir beamen zu können, fragte mich dann, in der Bahn, wohin die letzten Stunden verschwunden sind, und fühlte mich jedes Mal ein wenig elender, weil es mir alles so platt und abgehalftert vorkam; zu dir, zu dir).

 

12.07.2017  23:32

(Man könnte sagen: Jedes halbe Jahr passiert mir das. Man könnte sagen: »Eitelkeit steht mir nicht.« Man könnte sagen: Die Sonne scheint immer auch usw. Man könnte sagen: Das ist meins. – Zu dir, zu dir.)

 

12.07.2017  23:40

(Als du diesen russischen Dichter gelesen hast, wurde ich von Ferraris verfolgt … – Und gut!)

 

12.07.2017  23:42

 

13.07.2017  09:13

Wieder denke ich: »kack-dynamiken«, hier wie da, in unterschiedlicher Ausprägung, aber doch das gleich Lied – die einen, und ich kann mich da gar nicht ausnehmen, die glauben, es zu wissen und (damit?) eine Hoheit zu besitzen –, wieder und wieder. (Währenddessen grinst mich der kleine Junge mit dem lockigen, schwarzen Haar im Kinderwagen vor mir an, nachdem ihm seine Mutter ihre Handtasche auf den Schoß gelegt hat, um seiner Schwester Zöpfe zu machen – stolz sieht er aus, ab und an die Haarbürste befingernd oder das goldene Haarspray. – Wieder mehr im Moment zu sein, hatte ich mir vorgestern wie gestern vorgenommen. – Jetzt klatscht der Kleine kurz in die Hände und bürstet sich sein Haar.)

 

14.07.2017  22:04

Ich glaube, ich habe ein Schwanzproblem!

 

18.07.2017  17:54

Im Schatten der Markise des Cafés hängt ein Hundekopf und -vorderlauf aus dem zur Hälfte geöffneten Fenster (»Ich verstehe dich, mein Freund!«).

 

20.07.2017  18:32

Natürlich hätte man, und man könnte, nein, müsste, das wäre wirklich, also tatsächlich, von Anfang an, warum wir nicht, herrje, dass wir da nicht, dass wir das nicht gleich, ganz anders, wieso eigentlich, und jetzt … (Am Ende kochen eben alle nur mit Wasser – und mein Pullover hängt daheim über der Lehne meines Schreibtischstuhls, darauf in großen Lettern: »Don’t look back«.)

 

20.07.2017  18:35

Zweimal wurde ich heute gefragt, warum ich denn so grinsen würde – einmal vielleicht tatsächlich, weil mein Gegenüber eine Ahnung von meiner Art hatte (allerdings: ich wusste selbst nicht, was genau mir durch den Kopf ging); das andere Mal, weil es tatsächlich nicht bemerkte, wie wenig adressiert oder gar widersprüchlich das soeben Geäußerte war (ich dachte: merkste selber); beide Male war es vielleicht ein »Warum wundert mich das jetzt nicht?« oder die – dann doch auch irgendwie banale – Erkenntnis, dass man immer noch mehr, etwas besser hätte machen können (nur – ebenso banal: hat man eben nicht; und: ist doch alles nicht so schlimm; um nicht zu sagen: Es ist, wie es ist. – Davon hätte mein stumpfes Hirn noch mehr auf Lager … Kopf hoch, Brudi!).

 

20.07.2017  18:43

Eine ist links von mir eingestiegen, die andere rechts, sind aufeinander zugelaufen, haben sich fast zeitgleich – ein leerer Platz dazwischen – hingesetzt, und ihr Telefonat weitergeführt.
(In meiner Reihe: drei leuchtende Displays, ihnen gegenüber: ein besetzter Platz, ein freier, die Haltestange, ein Telefonat, ein freier Platz, ein Telefonat, die Haltestange, ein freier Platz, ein besetzter.)

 

21.07.2017  17:47

Und die weichgespülten Botschaften weichgespülter Hollywoodfilme kriegen mich dann jedes Mal …

 

22.07.2017  13:48

#gyst

 

24.07.2017  07:53

Und in der krisenhaften Situation schweigt mein Kopf nicht still, während ich am liebsten untergehen und nichts verlautbaren lassen würde – aus der Welt gefallen, so kam ich mir die letzten drei Tage vor (und dass du mit mir bist, auch an diesen Tagen mit mir warst, ist unglaublich); jetzt ist es, als müsse ich die Schritte neu lernen, wobei sie wissen, wohin sie mich führen, darauf ist Verlass, nur auf diesen Kopf nicht, also eher so, als ob ich mich erst wieder einfinden müsste, im Voran-Schreiten.

 

24.07.2017  17:45

Wie wunderbar deine Nachrichten sind, selbst wenn du den Tränen nah und von Schmerzen gebeutelt bist, deine Stimme ganz dünn am Telefon.

 

25.07.2017  08:37

Ein Schuss vor den Bug, vielleicht war es das tatsächlich, dachte ich gestern schon, aber währenddessen hätte ich von all dem nichts hören wollen, auch nicht von Achtsamkeit, von Gedanken, die wie Wolken vorbeiziehen (die Wolkendecke ist dicht, es regnet), davon, meine Füße zu spüren, mich noch spüren zu können (ich bin taub, will verschwinden, oder eher: nicht da sein) – das ist die (elendige) Krux dabei.

 

25.07.2017  18:08

Es ist noch nicht vorbei, befürchte/glaube ich …

 

26.07.2017  08:33

Gestern (wieder) festgestellt, dass dieses »Wenn ich mal Zeit habe« seit Jahren nicht eingetreten ist, dass die auf diesem Prinzip basierenden Listen zu Leichen werden, Speicherplatz blockieren, Ressourcen verschiedener Art (als ich zirka achtzehn war, sprach ich mit K. über meine Sehnsucht danach, anzukommen, und sie meinte, dass das womöglich dergestalt nie eintrete – stattdessen höchstens ein Ankommen im Nicht-Ankommen?); unter der Dusche die Frage, ob ich das Shampoo jetzt schon genommen hatte – immer wieder derartige kurze Aussetzer; dazu passend: wie ich im Kopf ständig anderswo bin, bei der Arbeit, im Büro, in meinem Posteingang, der Uni, vielleicht sogar in dem, was mir in der Nacht im Traum begegnete, es lappt über, fällt mir schwer, sofort zu unterscheiden; kurz nach dem Aufstehen der Blick aus dem Fenster und für einen Moment der Eindruck, das Dach des Flachbaus hinter den Bäumen sei ein Fluss, oder zumindest die Ladefläche eines Container-Schiffes, die silber-grauen Rohre darauf das Führerhäuschen.

 

26.07.2017  08:51

Ich fühle mich wie mit Scheuklappen – aber dahinter, da …

 

26.07.2017  18:32

»Ich will mit allem aufhören, doch weiß nicht, wo ich anfangen soll.«

 

27.07.2017  08:48

›Die Lebensgeister sind wieder in mich gekehrt‹, dachte ich vorhin.

 

27.07.2017  17:45

Jetzt denke ich: ›Die Lebensgeister, ja, aber auch die Nachmittagsmüdigkeit.‹

 

27.07.2017  21:30

Das Gefühl, flüchten zu wollen, bevor ich mich zu Wort melde, um zu sagen, was mir unangenehm ist, ist der falsche Pfad, und das, was mir hieran so unangenehm ist, nämlich nicht für sich einzustehen, oder irgendwie so.

 

27.07.2017  23:45

Das Gähnen unterdrückt – der Kopf schon längst im Bett …

 

29.07.2017  19:56