04.01.2016  11:30

Ich dachte, ›mein Leben‹ in Berlin kann erst beginnen, wenn die Wohnung renoviert ist, wenn alles seine Ordnung hat – jetzt habe ich den Termin einfach vorgezogen. »Ich würde ja gern, ich hab da aber noch fünf Bücher, die ich lesen muss …« – Scheiß drauf!

 

04.01.2016  19:02

Wenn ich ›Ich‹ sage, meine ich ›Wir‹.

 

10.01.2016  22:39

Ich denke: So, wie es gemacht ist, hätte man es auch lassen können!, und frage mich zugleich, wie schlimm ich es finde, das zu denken. – Ich versuche, mir zu vergegenwärtigen, dass alles relativ ist und seine Art hat – aber es ist so schwer … (Wenn es in Bezug auf meinen eigenen Anspruch nicht gut ist, dann kann ich zwar erkennen, dass es bzgl. einer anderen Größe gut ist, aber ich selbst finde es doch dann noch immer nicht gut!? – Vielleicht ist das das Geheimnis des Eltern-Seins: Wenn das Kind zum ersten Mal Fahrrad fährt, ist es ein beschissener Radfahrer, aber vielleicht ganz gut für das erste Mal!)

 

11.01.2016  11:35

Ich bemerke immer wieder, dass es mir guttut, wenn ich die Dinge so angehen kann, wie ich sie geplant/mir vorgestellt habe, wie sie mir – dann wohl automatisch – gefallen. (Vielleicht bin ich zu wenig flexibel, vielleicht ist mein Anspruch mitunter zu hoch – aber dann erlebe ich mich, trotz des ›Wir‹, das ich meine, wenn ich ›Ich‹ sage, stimmig. Und ich glaube, diese Stimmigkeit ist das Ziel, nicht die Singularität des Subjekts!)

 

11.01.2016  17:48

Mein ›Berliner Leben‹ beginnt – gefühlt – einen Tag, bevor ich die Stadt für vier Tage verlassen werde.

 

11.01.2016  19:12

So viel gelernt – dass Anerkennung für alle Menschen wichtig ist (warum eigentlich?), dass Ärger die eigenen Grenzverletzungen aufzeigt, dass es häufig wohl weniger »Ungerechtigkeit« ist, die mich ärgert, sondern »ungleiche Verhältnisse bzw. Verteilungen«, stille Abkommen, die von etwas ausgehen, das nicht verbalisiert wurde, und mein Territorium bedrohen, vielleicht auch, weil sie konträr zu meinen Annahmen, bspw. der gleichen Verteilung, stehen (und wieder: Kommunikation ist alles!), dass es um Bereitwilligkeit geht, also darum, dass das alles meins ist, sowohl das »Gute« als auch das »Schlechte« –, dass ich jetzt befürchte, nicht alles behalten zu haben, behalten zu können.

 

12.01.2016  16:35

Mich befällt auch ein wenig Wehmut, kaum bin ich in Hildesheim.

 

13.01.2016  16:10

Ich zögere, bevor ich einen Schritt auf die Taube direkt vor mir zu mache – mein Zögern scheint sie zu irritieren, jedenfalls wechselt sie abrupt die Richtung und gerät mit vollem Umfang vor meine Fußspitze (als ob sie ein Mensch wäre und wir uns beim gleichzeitigen Versuch, einander auszuweichen, immer wieder just in die Quere kommen) –, dann gehe ich zügig weiter, im Vertrauen, dass sie ausweichen wird, was sie – natürlich – tut.

 

14.01.2016  18:29

Ich dachte: Vielleicht sollte ich mal wieder das Feuilleton lesen!, aber das alles war – obwohl sicher klug – so wenig inspirierend, so leer, dass ich dachte: Vielleicht hätte ich mir lieber YouTube-Videos von flackernder Leuchtreklame anschauen sollen!

 

15.01.2016  04:04

Macht ein Ort einen anderen Menschen aus mir? (Wenn ich an diesem Ort schon viele war …)

 

15.01.2016  11:37

Bereuen ist eine furchtbare Sache.

 

15.01.2016  11:50

Der Drucker, den ich nun im Zug von Hildesheim nach Berlin transportieren werde, führt noch am Gleis dazu, dass ich angesprochen werde – meine Sorge war eh, mit dem riesigen Pappwürfel aufzufallen, und ob ich ihn im Zug überhaupt geschickt unterbringen werden würde. Ansonsten fühle ich mich schon jetzt so, als ob ich in diesem Dazwischen wäre, das mich immer wieder im Zug ergreift – eine Zwischenwelt, die mich nicht präsent werden lässt, mir keine Daseinsgewissheit verleiht, im einfachen wie abstrakteren Sinn. (Gewissheit kommt mir sehr groß vor, vielleicht eh unerreichbar – aber dadurch wohl auch wie etwas, das alles ändern könnte, eine falsche Hoffnung?)

 

15.01.2016  12:49

Im Zug komme ich immer in diesen Modus, in dem ich einen Haufen (sentimental-nostalgische) SMS verschicke. – Vielleicht ist das angesichts meines Gemüts keine gute Kombination …

 

15.01.2016  17:59

Ich warte (noch immer) auf die Stunde Null, zu der es heißt: Jetzt geht es los, alles neu, jetzt ist es so weit, jetzt kannst du anfangen!, und frage mich zugleich, ob es sie je geben wird und wie dringend ich sie brauche, ob nicht die eigene Festlegung: Sie ist genau jetzt!, reicht – was wären überhaupt die Kriterien? (»Ich würde ja gern, aber da sind noch diese fünf Bücher, die ich lesen muss …«)

 

18.01.2016  09:52

Vor dem Hauptbahnhof stehen sie in einer Schlange, um ein Taxi zu ergattern – ich bin mir unsicher, ob es eine zusammengehörige Reisegruppe ist oder eine kollektive Eigenart (mir kommt es zumindest eigenartig vor, auch wenn es sehr höflich ist und ich Geordnetes/Strukturiertes prinzipiell mag, aber vielleicht nicht, wenn es um Taxen geht?).

 

18.01.2016  11:35

»Sie können eine Lehre ziehen und Ihr Leben verändern.« Wie oft will man das und wie oft gelingt es?

 

18.01.2016  13:20

Mir fallen keine besseren Ausdrücke als ›unruhig‹ und ›fahrig‹ ein, um das zu beschreiben, was vorzuherrschen scheint – aber vielleicht sollte ich mich nach drei Kaffee auf nüchternen Magen auch nicht darüber wundern. Immerhin versuche ich, mir einzureden, dass ich nicht dagegen ankämpfe, sondern es nur registriere, es aufmerksam beobachte – mehr nicht. (Vielleicht haue ich mir damit aber selbst die Hucke voll. Und wieder ist da dieses: ›Später, morgen setze ich mich hin, ordne und strukturiere alles, dann wird es wieder gut.‹ – Etwas essen sollte ich dennoch dringend.)

 

18.01.2016  15:17

Und während ich irgendeiner Vorstellung, wie ich sein will, hinterhergerannt bin, habe ich vergessen, dass ich längst irgendwie bin, dass da etwas ist, das meins ist (ob ich das nun will oder nicht). Ich bin verantwortlich für meine Entscheidungen, auch wenn es vielleicht nicht immer die besten waren und sind – sie waren und sind meins. Ich bin verantwortlich für meine Entscheidungen, nicht mehr und nicht weniger. Es gibt keinen Zustand, nur den Prozess. Ich bin ein Prozess und ich bin viele.

 

19.01.2016  20:37

Man braucht Verbündete, eine ›posse‹ – so sieht das nämlich aus.

 

20.01.2016  10:28

In meinem Kopfkino ist immer eine Vorstellung.

 

20.01.2016  19:47

Obwohl ich so viele lose Fäden der sozialen Interaktion und Kommunikation aufgenommen habe, dass es mir beinahe zu viel wird, fühle ich mich gerade sehr allein (oder gar einsam?). – Für mich zu sein, ist gut, und manchmal ist es schlimm, nur schwer zu ertragen, und wie so oft: sowohl als auch.

 

21.01.2016  02:37

Arbeit und Schlaf – bestimmen mein Leben; das eine, weil ich es wohl ganz gut kann – ich wende es sogar dann an, wenn es wirklich fehl am Platze ist –, und das andere, weil ich bis jetzt nicht verstanden habe, wie es funktioniert, es immer Probleme macht.

 

21.01.2016  17:18

Heute fünf Stunden an dem gearbeitet, was mal mein Roman werden könnte (das Dokument und der entsprechende Ordner sind mit ›NOVELLE‹ benannt) – zwischen Zuversicht und Verzweiflung. Mehr gekürzt, als hinzugefügt, jetzt alles einmal ausgedruckt, in der Hoffnung, mir dadurch wieder einen Überblick verschaffen zu können, oder noch einmal einen anderen Zugang. Jedenfalls noch keine Idee, wie weiter daran zu arbeiten wäre.

 

21.01.2016  20:13

Dieser Moment, in dem beide Seiten zu lange nichts mehr gesagt haben, als dass man noch einmal beginnen, eine Frage stellen, das Schweigen unterbrechen, einfach irgendetwas sagen könnte – ich bin raus. (Und neben mir ein Schwarzes Loch, ein »Energiefresserchen«.)

 

21.01.2016  20:37

Das alles ist schlimm!, und: Das alles ist nicht schlimm!

 

21.01.2016  21:45

Man kann so viel schlaue Dinge sagen, ich will schlaue Dinge machen.

 

22.01.2016  21:51

Während ich auf der Terrasse stehe und rauche, läuft ein Fuchs quer über den Parkplatz unterhalb, hält kurz inne, schaut sich um und läuft dann in aller Ruhe weiter – es ist eisig kalt, drinnen dreht sich die Discokugel, außer uns ist sonst niemand hier.

 

23.01.2016  11:52

Der fallende Schnee zeichnet das Tempelhofer Feld und den Himmel darüber weiß, sodass man nicht mehr erkennen kann, dass hinter dem Feld noch immer die Stadt liegt – alles fließt noch vor der Horizontlinie ineinander, als ich mit der S-Bahn vorbeifahre.

 

24.01.2016  03:08

Ich hatte so viel Angst davor, allein zu sein, allein entscheiden zu müssen, was als Nächstes zu tun wäre, dass ich mich einfach an so viele Leute wie möglich gehängt habe – jetzt komme ich mir parasitär vor, als hätte ich mir die Zuneigung und Anerkennung, den Umstand, dass es vielleicht auch Menschen gibt, die tatsächlich gern ihre Zeit mit mir verbringen, nur erschlichen, es nicht verdient. »Die lügen doch – alle! Ich weiß das.« Denn natürlich war ich eher eine Last, irgendwann nur noch schwer zu ertragen, ich bin mir sicher. (»Sagt’s doch endlich!«) Und was habe ich heute eigentlich geschafft?

 

24.01.2016  03:12

Die Ausnahme: H.! (Und meine Liebe und Dankbarkeit sind unendlich.)

 

24.01.2016  13:01

Es regt mich jedes Mal auf, wenn ich bemerke, wie Einzelne aus einer Gruppe zu ihren Gunsten agieren, die anderen und deren Situation nicht berücksichtigen, nicht mitdenken, selbst wenn ich davon nicht direkt betroffen bin. Natürlich kann man nicht in jeder Situation jede Biografie mitdenken – das wäre, weiß Gott, utopisch –, aber Rücksichtnahme, Solidarität, die Achtung des Gegenübers sind doch so hohe Güter, immer und überall, dass man es zumindest versuchen kann, sich bemühen, oder? (Vielleicht ist es auch die Diskrepanz zwischen Verantwortung und Zuständigkeit, die diese Situationen so schwer für mich macht, und ich mache bestimmt nicht alles richtig, schon gar nicht immer, aber dennoch …)

 

25.01.2016  12:17

Das Hochhaus verschwindet im diesigen Himmel.

 

25.01.2016  21:44

Vor exakt fünf Jahren – es muss auch im Januar, oder Februar?, gewesen sein –, damals hatte ich noch Windows XP, Windows XP Professional, um genau zu sein, und mir das Lied irgendwo in einer roughen und wohl vorläufigen Version heruntergeladen, begleitete es mich schon, wenn ich allein durch die Straßen taumelte: Frau Potz – Schlosser’s Law. (Das Betriebssystem und die Straßen haben sich geändert, das Gefühl dazu wohl nur bedingt …)

 

26.01.2016  12:54

Ich bin von einer Unruhe ergriffen, die mich so vollständig umfängt, dass ich schwimme, treibe, taumele – ich flimmere …

 

26.01.2016  14:18

Dieser Moment, in dem alles unerträglich wird – die Anwesenheit anderer, meine eigene Anwesenheit –, Kopfhörer auf, Musik laut, Blick nach unten, untertauchen, und weg.

 

26.01.2016  14:41

Dass ich es leid bin, ist vielleicht mein größtes Leiden.

 

30.01.2016  02:45

 

31.01.2016  01:31

Manchmal würde ich mich gern wie ein Rapper in einem Musikvideo durch die Straßen bewegen.

 

31.01.2016  20:04

»Es ist, wie es ist, und ich bin, wie ich bin – es geht dingeliding!«