01.10.2015  18:41

So oft den Gedanken durchgespielt, wie es wäre, Geld auf der Straße zu finden. Passiert nur nicht!

 

02.10.2015  17:46

Ich drücke an Ampeln, auch wenn es dadurch nicht schneller Grün wird, weil die Anlage für Blinde ist, einfach nur, um mich kurz festzuhalten. – Ich bin müde und fühle mich irgendwie leicht (vielleicht zu leicht – flau). (Es ist schön, wenn sich alles ein wenig entkrampft, weil das, was heute zu schaffen war, geschafft ist.)

 

03.10.2015  12:54

Und auf einmal ist Herbst.

 

04.10.2015  01:06

Und schon wieder könnte ich heulen.

 

04.10.2015  17:33

Lieber H.,
dass ich ausgerechnet dir jetzt schreibe, mag wohl dem Umstand geschuldet sein, dass ich das Gefühl habe, nicht zu wissen wohin. Mir kommt das immer ein wenig verlogen vor, zu wenig am anderen interessiert, zu selbstbezogen. Und genau das ist vielleicht auch der Grund, warum ich dir schreibe: Weil ich das Gefühl habe, das Gute zu verspielen, die guten Beziehungen und Verhältnisse, Freundschaften. Ich hatte schon früher das Gefühl, anderen zur Last zu werden. Und immer wieder – und ja, auch heute – habe ich das Gefühl, Leuten vor den Kopf zu stoßen, weil ich weniger aufmerksam bin, als ich es gern wäre. Und ja, deshalb schreibe ich dir, weil ich auch bei dir das Gefühl habe, dir oft genug nicht gerecht zu werden, und bewundere, dass du dennoch an mir »festhältst«. Vielleicht wollte ich auch um Entschuldigung bitten, für all die Momente, in denen ich dich vor den Kopf gestoßen habe, in denen du von mir enttäuscht wurdest, in denen ich dir nicht gerecht geworden bin. Ich weiß, dass vieles davon auch imaginierte Erwartungen sein mögen, und dennoch. Ich bewundere deine Offenheit, dein großes Herz, deine Bedingungslosigkeit, deine Art.
Und zugegebenermaßen – und damit schmälere ich all das vielleicht auch wieder, aber es könnte auch einfach ehrlicher sein – tue ich das ein wenig in Stellvertreterschaft. Du warst mir gerade gedanklich am nächsten, aber es gibt noch mehr Menschen, denen ich das gern sagen würde. (Fühl dich bitte nicht benutzt – es gilt von ganzem Herzen nur für dich, und dennoch sowohl für dich, als auch für andere.) Und vielleicht habe ich schon wieder um den heißen Brei herumgeredet, weil dieser Gedanke von einem anderen Menschen schon viel trefflicher formuliert wurde – vielleicht ja so: »Und ich kann nicht oft genug Danke sagen, an alle die mir wichtig sind! … Danke, dass ihr anruft, und sorry, dass ich nicht immer rangeh!«
Und vielleicht wollte ich dir auch einfach nur noch einmal sagen, dass ich dich sehr lieb habe! (Ich hoffe, du verzeihst.)
Dein J.

 

04.10.2015  18:16

Und ich bin gefühlt kurz davor, wieder hinzuwerfen. – Welche Gründe gibt es, weiterzumachen?

 

06.10.2015  18:29

Ich bemerke, wie ich zunehmend auf Zeit lese – es geht nicht mehr darum, sich in einen Text, ein Buch und seine Welten fallen zu lassen, und aufgefangen zu werden, sondern die schnelle Entscheidung: Taugt das was? (Und besser sind ›Ja‹ und ›Nein‹ als ›Ich weiß es nicht‹ – zumindest fühlt es sich so an.)
Und ja, das ist eine Zumutung! (Und ganz sicher nicht nur, weil ich krank bin und deshalb – oder: im Zusammenhang damit – häufig unsicher, sondern generell.) Weil dahinter ein Prinzip steckt, das sich mir noch immer nicht erschließt. (Oder bin ich einfach nicht gemacht dafür? Aber was bleibt dann noch?)

 

06.10.2015  19:06

Bis zum heutigen Abend war die Zeit gefüllt und erst jetzt merke ich, wie mir all das an die Substanz ging – gleichzeitig Angst davor, runterzukommen, davor, was passieren könnte, wenn ich nicht mehr betäubt bin. Und dann auch noch L., auf dem Fahrrad, direkt vor mir, zwei Meter entfernt, an der Kreuzung, Hermannstraße. Sie sieht mich wohl nicht und ich bleibe unruhig zurück, weil es so, wie es bisher war, mit einem Mal scheinbar nicht mehr geht, ich das Gefühl habe, mich mit ihr auseinandersetzen zu müssen, weil das vielleicht gerecht, ehrlicher oder zumindest ehrenhafter wäre. – Hallo Stationszimmer, da hast du den Salat!

 

08.10.2015  12:47

Heute ist meine Stimmung gewitzt. (So gewitzt ich eben sein kann. #schlechtewitzesindmeinhumor)

 

14.10.2015  18:11

»Dieses Buch ist so, wie ich mir Frank Witzels Die Erfindung der Roten Armee Fraktion durch einen manisch-depressiven Teenager im Sommer 1969 vorstelle.«

 

15.10.2015  19:52

Ich habe ein wenig den Drive verloren, zu viel geraucht und zu viel Kaffee getrunken vielleicht auch, stolpere müde durch die Gegend und habe wieder das Gefühl, nicht hinterherzukommen, zu kreiseln, allein, die Verbindungen nach außen brüchig, weil ich ›meinen Mann stehen muss‹, vor anderen (oder für andere), aber eben nicht nachkomme – und die Listen werden eh immer länger, oder der Anspruch dehnt sie aus. Die Erkenntnis, dass die Dinge sind, wie sie sind, alles eine Art hat, manchmal eine zügige, manchmal eine weniger zügige, manchmal eine frühe, manchmal eine späte (ich könnte ewig so weitermachen, wohlwissend dass es neben diesem ›Ganz oder gar nicht‹ ein viel größeres ›Sowohl als auch‹ gibt), scheint wieder weiter abgerückt, die Distanz größer, alles nicht mehr so nah beieinander, so kernig – näher als dieses vermeintlich Wahre hingegen die Vorstellung, ich müsste mich für das eine wie das andere rechtfertigen, das Zügige wie das Langsame, das Frühe wie das Späte, weil es irgendeinen Anspruch nicht erfüllt, oder eh nur für das Langsame und Späte, weil es das nicht geben darf, rechtfertigen für die Art, die nicht den Wünschen oder Vorstellungen (oder gar Bedürfnissen) anderer entspricht. (Könnte ich vielleicht sogar, mich rechtfertigen, sicherlich, aber eigentlich: Rechtfertigen am Arsch! Und eigentlich ›eigentlich‹ am Arsch! – Oder anders: Erst einmal nicht mein Problem!) – Gerade ist es eben so, so und nicht anders. (Ein andermal wieder anders, ganz gewiss.) Deal with it!
Und gleichzeitig weiß ich: Das ist alles nur in meinem Kopf. (Und das ist wirklich meins – mein Problem.)

 

25.10.2015  16:11

Und auf Fotos sieht es nie so gut aus, wie es ist. (Das Tempelhofer Feld hängt diesig unter grauen Wolken, bis schließlich doch die Sonne – lange Schatten werfend – hervorbricht.)

 

27.10.2015  08:49

Der Verkäufer beim Bäcker (seine Worte: »Ich bin heute ganz allein im ›Verkauf‹!« – aber gut, war eigentlich auch klar, dass Brot und Brötchen, Streuselkuchen, Pfannkuchen, Schweinsohren, Erdbeertorte, Muffins und all die anderen Backwaren zu verkaufen nicht viel mit Backen zu tun hat), bei dem ich mir jeden Morgen auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee oder Franzbrötchen hole, erkennt mich jetzt wieder. Berlin, du brauchst manchmal ein wenig länger, aber dann geht’s doch – ich freu mich! (Morgen halte ich wieder 15 Cent bereit, versprochen!)

 

27.10.2015  18:34

Ich glaube, meine Freude über mein »Stammkunden«-Dasein rührt von einem verzerrten, durch Hollywood bzw. generell Filme idealisierten Bild der Stammkneipe, des Stammcafés, oder noch besser: -imbisses, her, bei denen man neben seinen Lieblingsverköstigungen immer auch einen, gar den einen Rat, die eine Lebensweisheit erhält, die einem wirklich weiterhelfen – als wäre es Ort der letzten Zuflucht, dann – natürlich nicht sofort, wie langweilig wäre das denn – aber auch Ort der Rettung. (Sozusagen Ort der besseren Freundschaften, weil man dafür bezahlt hat, und somit nichts schuldig geblieben ist, oder was auch immer soziale Beziehungen stören kann. Bestellt, bekommen, bezahlt. Hier noch ein kleines Extra! Geht aufs Haus! Dankeschön!)

 

30.10.2015  20:58

Beim Fliegen fand ich es am augenscheinlichsten, aber auch jetzt ergreift mich der Eindruck, dass ich zu schnell reise und nicht wirklich nachkomme – als könnte ich mich nicht darauf einstellen, nun gleich an einem anderen Ort zu sein, als gäbe es kein Hier und Jetzt mehr, vor allem nicht, während ich noch in passiver, dafür schneller Bewegung bin, weil alles nur an mir vorbeizieht, während ich mich selbst, also mit eigener Leibeskraft, kein bisschen bewege –, auch gedanklich bin ich weit weg, beim Dann, beim Bald (weniger beim Vorhin, das scheint – immerhin? – noch weiter entfernt), nur eben erst recht nicht beim Hier und Jetzt. (Was soll das sein, gerade?)